← Das Journal

Hat das Print-Marketing noch Grenzen?

Hat das Print-Marketing noch Grenzen?

Druckmarketing auf ein mit Tinte bedecktes Blatt Papier zu reduzieren, entspricht nicht mehr den Möglichkeiten, die moderne Produktionsverfahren bieten. Träger, Stanzungen, Reliefs, Metallic-Effekte und Personalisierung ermöglichen es, die Form, das Anfassgefühl und sogar den Inhalt eines Dokuments während der Produktion zu verändern. Doch diese Freiheit stösst schnell an Grenzen der Fertigung, der Kosten und der Industrialisierung.

Format, Material, Farbe, Relief, Stanzung oder Personalisierung: Hinter einem gedruckten Marketingträger verbergen sich weit mehr Variablen, als man vermuten würde. Die technischen Möglichkeiten sind zahlreich, aber nicht alle sind für den Auftraggeber gleich interessant – und nicht alle lassen sich problemlos vom Bildschirm des Grafikers in die Produktionshalle übertragen.

Das Print beschränkt sich nicht mehr auf ein rechteckiges Blatt

A4, A5, quadratisch, Hoch- oder Querformat: Wenn ein Druckprojekt beginnt, besteht der erste Reflex oft darin, das Format zu wählen. Doch die Geometrie eines Dokuments muss sich nicht zwingend auf die Standardmasse beschränken.

Die Stanzung ermöglicht es, den Kontur eines Produkts nach dem Druck zu verändern. Eine Karte, ein Umschlag oder ein Werbedokument kann so eine individuelle Form annehmen, die direkt mit seiner Verwendung oder seiner grafischen Identität verbunden ist.

Diese Freiheit bietet viele kreative Möglichkeiten: Fenster, Öffnungen, Innenstanzungen, individuelle Konturen oder Falzsysteme können in die Gestaltung integriert werden.

Jedoch hat das Verlassen des klassischen Rechteckformats Konsequenzen. Eine besondere Form muss gestanzt, konfektioniert, verpackt und transportiert werden können. Das Format beeinflusst auch den Ausschuss und damit die Nutzung des Druckbogens. Eine grafisch ansprechende Idee auf dem Bildschirm kann so mehr Materialabfall erzeugen oder einen zusätzlichen Produktionsschritt erfordern.

Die Form eines Trägers ist daher nie völlig unabhängig vom Herstellungsprozess – oft zeigt sich dies erst bei der Offertstellung.

Das Papier beeinflusst das Endergebnis direkt

Dieselbe Datei auf zwei verschiedenen Trägern gedruckt ergibt nie exakt dasselbe Ergebnis.

Grammatur, Steifigkeit, Oberflächenbeschaffenheit, Farbe und Textur beeinflussen die Wahrnehmung des Dokuments direkt. Ein glattes Papier reagiert anders als ein strukturierter Träger. Kraftpapier gibt Farben anders wieder als weisses Papier. Die Wahl des Papiers sollte daher nicht erst am Ende der grafischen Gestaltung erfolgen – sie bestimmt auch einen Teil des Produktionsprozesses.

Diese materielle Dimension ist ein grundlegender Unterschied zwischen gedruckter und digitaler Kommunikation. Der Leser betrachtet nicht nur ein Bild: Er hält ein Objekt in den Händen, dessen Dicke, Steifigkeit und Oberfläche zur Erfahrung beitragen.

Die Veredelung spielt mit Licht und Relief

Einmal die Tinte auf dem Träger, ist die Arbeit nicht zwingend abgeschlossen. Prägung, Metallic-Effekte, Heissfolienprägung und andere Veredelungstechniken ermöglichen es, nach dem Druck auf die Oberfläche einzuwirken.

Das Relief fügt eine taktile Dimension hinzu. Metallic-Effekte verändern die Lichtreflexion. Die Prägung isoliert ein grafisches Element, um es vom Rest der Komposition abzuheben.

Mehrere Veredelungen können auf demselben Produkt kombiniert werden. Doch jeder zusätzliche Schritt muss in den Produktionsprozess integriert werden – er erfordert Ausrüstung, Einstellung und zusätzliche Handhabung. Eine Veredelung nur hinzuzufügen, weil sie technisch machbar ist, ergibt wenig Sinn. Sie muss eine echte Funktion im Dokument erfüllen.

Variabler Druck beendet das Prinzip des identischen Auflagendrucks

Eine weitere historische Einschränkung des Prints ist verschwunden: die Pflicht, exakt denselben Inhalt auf der gesamten Auflage zu reproduzieren.

Digitaldruck und variable Datenverwaltung ermöglichen es heute, bestimmte Elemente von einem Exemplar zum nächsten zu variieren. Der Name des Empfängers ist das offensichtlichste Beispiel, aber diese Logik kann auf viele andere Inhalte ausgedehnt werden: Texte, Bilder, Adressen, geografische Informationen oder Angebote können für verschiedene Profile angepasst werden.

Die Auflage wird so zu einer Abfolge verwandter Dokumente statt einer blossen Wiederholung identischer Exemplare. Allerdings kann eine Presse keine fehlerhaften Daten korrigieren – eine falsche Adresse oder eine ungenaue Segmentierung wird mit derselben Präzision reproduziert wie korrekte Daten.

Das Papier kann auch in die digitale Welt führen

Print und Bildschirm werden oft als konkurrierende Medien dargestellt. Technisch gesehen gibt es jedoch keinen Grund, sie zu trennen.

Ein QR-Code oder eine Webadresse kann ein physisches Dokument zu einem digitalen Inhalt verlängern. Ein Katalog, ein Mailing oder ein Werbemittel wird so zum ersten Glied einer Reise, die online weitergeführt wird. Das Dokument muss nicht alle Informationen enthalten – es kann das Wesentliche präsentieren und den Leser zu einem technischen Datenblatt, einem Video oder einem Online-Shop weiterleiten.

Die Frage lautet also nicht mehr, ob man Print oder Digital wählt, sondern welche Funktion man jedem zuweist.

Die eigentliche Grenze des Prints liegt oft in der Werkstatt

Auf einer Maquette scheint fast alles möglich. Man kann sich ein besonderes Papier, eine gestanzte Form, mehrere Reliefs, Metallic-Effekte und personalisierte Inhalte vorstellen. Dann kommt die Produktion.

Jede Wahl muss mit dem Träger, dem Druckverfahren, den Verarbeitungsgeräten und den verschiedenen vorgesehenen Operationen kompatibel sein. Das Produkt muss auch gehandhabt, verpackt, transportiert und verteilt werden können.

Eine technisch machbare Herstellung ist nicht automatisch unter guten Bedingungen industrialisierbar. Und eine industrialisierbare Herstellung ist nicht zwingend wirtschaftlich sinnvoll für jede Kampagne.

Genau hier erhält die Rolle des Druckunternehmens eine andere Dimension: seine Arbeit besteht nicht nur darin, eine Kreation zu reproduzieren, sondern auch zu bestimmen, wie diese hergestellt werden kann und welche Konsequenzen die verschiedenen Entscheidungen des Auftraggebers haben.

Die Möglichkeiten des Prints werden also weniger durch die Vorstellungskraft begrenzt als durch die Notwendigkeit, eine Kohärenz zwischen Kreation, Materialien, Ausrüstung, Fristen und Budget zu finden

Ready to start printing?

Our in-house studio supports you from brief to finished print. Personalised quote within 24 hours.

Request a quote View all products